RaumClaudiaSimon

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Gabriele Horndasch

Die großen Maler und ihre Werke
100 Zeichnungen

Ausstellungseröffnung: 20. Mai 2005
Ausstellungsdauer: 20. Mai bis 18. Juni 2005

Gabriele Horndasch studierte an der Kunstakademie Düsseldorf Film und Bildhauerei (Meisterschülerin von Prof. Irmin Kamp) und lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Die Künstlerin zeigt hier erstmals Zeichnungen, die im Zeitraum von 1999-2005 entstanden sind und als besondere künstlerische Vorgehensweise innerhalb ihres Werkes gelten dürfen. Gabriele Horndaschs bisher bekannten Arbeiten umfassen als übergreifende Disziplinen Film- und Fotoinstallationen, die als integrativen Moment Installation, Skulptur und Bild im Werk vereinen. Zumeist handelt es sich dabei um serielle Arbeiten, die auf höchst unterschiedliche Weise Bilderfahrungen dechiffrieren und als kognitive Erfahrung in den Raum treten.

Gabriele Horndaschs Ausstellung ist eine eindrucksvolle Zeitreise in die Kunstgeschichte. Zu sehen sind Werke der alten Meister und der modernen Kunst vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Die im Postkartenformat bedachtsam kopierten Gemälde eröffnen dem Betrachter das Bildnis der Frau durch die Jahrhunderte in der leitmotivisch gewählten Aktdarstellung.

In den fein kolorierten Buntstiftzeichnungen vermittelt sich im seriellen Nebeneinander die schöpferische Kraft der zitierten Bilder, begegnet man den Allegorien der verklärten Frauenbildnisse, dem klassizistischen Schönheitsideal, der barocken sinnlichen Fülle oder den expressiven Darstellungen der sich wandelnden Kunststile. Die Bedeutsamkeit der Komposition und die Harmonie der Farben erlebt in unseren Köpfen eine verdichtete Retrospektive als die abgespeicherten Bilderinnerungen an historische und Zeit überdauernde Werke. Reichhaltig auf allen Bedeutungsebenen spiegelt sich stilistisch, ikonographisch und zeitgeschichtlich lesbar im Akt die Herausforderung, die Künstler über Jahrhunderte zu eigenen Schöpfungen anspornte und sei es um mit der traditionellen Aktmalerei zu brechen. In der entblößten Körperlichkeit der Frau spiegelt sich gleichermaßen das sich wandelnde Schönheitsideal, die sich verändernde soziale Stellung der Frau und natürlich auch die keusch inszenierte, stilistisch ausgeblendete oder offen thematisierte sinnliche Erotik.

Gabriele Horndasch bringt den Künstler selbst als collagiertes Arrangement mit ins Bild. Das Selbstportrait des Künstlers wird zeichnerisch integriert und blickt den Betrachter unverhofft an. Die Authentizität der Kunst gebunden an die in ihrer Entstehung untrennbare Einheit von Werk, schöpferischen Geist, gesellschaftlichen Einflüssen und der Persönlichkeit des Malers selbst wird hier zur nachträglich gestellten Frage der Reflexion als vermeintlich offener und rückwärtig greifender Wirkstoff - und kontra der kunsthistorischen Einordnung, die das Zeit überdauernde Oeuvre über den Künstler stellt. Perspektivisch verknüpft eröffnet sich ein amüsanter und fiktiv geführter Dialog, in den sich der Betrachter unversehens eingebunden fühlt.

Im nachvollzogenem Prozeß gewinnt die Zeichnung in der gekonnten Übersetzung der Gemälde eigene Qualität und Ausdruckskraft. Besondere Aufmerksamkeit widmete Gabriele Horndasch der Farbe der Haut, die im eigentlichen Sinne keine Farbe darstellt und in ihren divergenten und nuancenreichen Schattierungen in jedem Werk anders in Erscheinung tritt. Die Zeichnungen werden jeweils in unterschiedlich großen, weiß ummantelten Zigarrenkästen gerahmt, welche die einzelne Arbeit optisch abgrenzt, den separierten Blick erlaubt und im Zurücktreten gleichzeitig die serielle Konzeption hervorhebt.

Im Wohnraum zeigt die Künstlerin die Arbeit "versteckte cathrine" eine Fotoserie, die auf sehr unterschiedene Weise das Bildnis der Frau erneut aufgreift. Die als sogenannte "china girls" bezeichneten 35 mm-Filmtestbilder sind Fundstücke, die Gabriele Horndasch vergrößert und zu Fotos verarbeitet hat. Sie zeigen Frauen, die als stereotyp abgelichtetes Bildinventar dem Farbabgleich dienen und für das Kinopublikum normalerweise "unsichtbar" im Filmstartband als kurze Einblendung erscheinen. Es sind paradoxe Momentaufnahmen, die durch ihre übersteigerte Klischeehaftigkeit diametral gewendet auf kuriose Art eigene Faszination ausüben.

(Claudia Simon)